Keine Lust mehr, krank zu sein!

von Dietmar Sommer

Ein Urlaub, der mir gezeigt hat, wie sehr sich das Leben verändert hat – und wie schön es trotzdem sein kann.

Manchmal wird es düster im Leben. Besonders dann, wenn man merkt, dass Dinge, die früher selbstverständlich waren, plötzlich zu einer Herausforderung werden.

Unser Urlaub 2026 war meine erste größere Reise seit meiner schweren Erkrankung und den vielen damit verbundenen Operationen. Ich bin dankbar, dass es mir heute – trotz aller Probleme – wieder so gut geht. Aber dieser Urlaub hat mir auch deutlich gezeigt, wie sehr sich mein Leben verändert hat.

Die erste Herausforderung: das Badezimmer

Unser erstes Ziel war Merklingen bei Ulm. Dort fand die Hochzeit unserer Nichte statt. Das Hotel war gut erreichbar, hatte einen Aufzug und ein schönes Zimmer. Doch dann kam das Badezimmer: keine Dusche, sondern eine alte Badewanne.

Früher hätte ich darüber wahrscheinlich kaum nachgedacht. Heute ist das anders. Durch das fehlende Gefühl in Beinen und Füßen, das Kribbeln und die Schmerzen ist das sichere Ein- und Aussteigen aus einer Badewanne für mich zu einem Risiko geworden. Also hieß es: lieber nicht duschen als einen Sturz zu riskieren.

Und damit beginnt eine Erfahrung, die mich inzwischen häufig begleitet: Nicht mehr alles ist möglich, was früher selbstverständlich war.

Auch bei Restaurantbesuchen spielt die Erreichbarkeit der Toilette inzwischen eine wichtige Rolle. Liegt sie im Keller oder im Obergeschoss und ist nur über Treppen erreichbar, scheidet das Restaurant für uns aus. Wir suchen also nicht mehr nur danach, wo es gutes Essen gibt – sondern auch danach, ob ich die Toilette sicher erreichen kann.

Kleine Lichtblicke unterwegs

Doch es gibt auch positive Erfahrungen.

Gerade an den Autobahnraststätten, die ja nicht immer den besten Ruf genießen, haben wir erfreuliche Erfahrungen gemacht. Die Behindertentoiletten waren gut zugänglich und der Service mit dem entsprechenden Schlüssel funktionierte schnell und unkompliziert. Es sind solche kleinen Dinge, die unterwegs einen großen Unterschied machen können.

Hagnau – und ein neues Hotel

Nach der Hochzeit ging es für eine Woche weiter nach Hagnau am Bodensee. Einen Ort, den wir bereits von zwei früheren Urlauben kennen und sehr mögen.

Unser bisheriges Hotel kam diesmal allerdings nicht mehr infrage. Ein enges Treppenhaus und kein Aufzug – früher kein Problem, heute eine unüberwindbare Hürde.

Also suchten wir uns etwas Neues. Das Hotel lag zwar etwas weiter vom Bodensee entfernt, aber von unserem Balkon konnten wir ihn sehen. Es gab einen Aufzug und ein behindertenfreundliches Badezimmer. Das Essen war gut, das Personal freundlich – eigentlich genau der richtige Ort zum Wohlfühlen.

Wegen der sehr hohen Temperaturen waren wir allerdings nur selten zu Fuß im Ort unterwegs. Vieles haben wir mit dem Auto unternommen.

Lindau und ein kaputter Aufzug

Eines Tages fuhren wir nach Lindau. Ein großes Parkhaus mit Lademöglichkeit für unser Auto war schnell gefunden. Von dort wollten wir in die Stadt und weiter zum Hafen.

Doch schon bald kam die nächste Hürde: Der Zugang zur Altstadt führte über zahlreiche Stufen. Daneben gab es zwar einen Aufzug – aber der war defekt.

Also hieß es: Umkehren, weiter an der Stadtmauer entlang und nach einer anderen Möglichkeit suchen. Ein Stück weiter hatten wir schließlich Erfolg und konnten die Altstadt erreichen.

Eigentlich eine Kleinigkeit.

Aber genau diese Kleinigkeiten können einem manchmal den ganzen Tag vermiesen.

„Ich habe keine Lust mehr, krank zu sein!“

Auf solchen Wegen und in solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst, wie sehr Krankheit das eigene Leben verändert.

Ich habe irgendwann zu Christine gesagt:

„Ich habe keine Lust mehr, krank zu sein!“

Dieser Satz kam ganz spontan. Und er beschreibt wahrscheinlich ziemlich genau, was in solchen Momenten in mir passiert.

Natürlich freue ich mich über das, was ich erleben kann. Ich freue mich, dass wir überhaupt wieder gemeinsam Urlaub machen konnten. Ich freue mich über den Bodensee, schöne Orte, gutes Essen, nette Menschen und gemeinsame Zeit.

Aber manchmal ist es schwer, sich daran zu freuen, wenn gleichzeitig ständig darüber nachgedacht werden muss, ob der nächste Weg überhaupt machbar ist.

Dann gerät das Schöne schnell in den Hintergrund.

Und trotzdem: Ich lebe!

Vielleicht muss ich mir gerade dann etwas ganz Wichtiges immer wieder ins Gedächtnis rufen:

Ich lebe.

Das klingt einfach. Aber es ist nicht selbstverständlich. Es hätte auch anders kommen können.

Und genau deshalb möchte ich trotz aller Einschränkungen dankbar sein. Dankbar für Christine, für die gemeinsame Zeit, für unseren Urlaub und für all die schönen Momente, die wir erleben konnten.

Dieser Urlaub hat mir beides gezeigt: wie viele Hindernisse Krankheit mit sich bringen kann – und wie wertvoll das Leben trotzdem ist.

Also: Ja, manchmal habe ich wirklich keine Lust mehr, krank zu sein.

Aber noch viel mehr habe ich Lust darauf, zu leben.